Träumen erlaubt!

„Wer Träume verwirklichen will, muss tiefer träumen und wacher sein als andere.“

Karl Foerster 1874 – 1970

Klösterliche Ruhe erfüllte Schloß Ippenburg und seine Gärten in den Zeiten, als die streitbare Kriegsgöttin Corona Deutschland und die ganze Welt fest in den Griff nahm. 

Die uralten Mauern des Küchengartens, die schon dem Dreißigjährigen Krieg mit Pest und Cholera und anderen Schrecken widerstanden, schufen in ihrem Innern eine Insel paradiesischer Freuden.

Jedes Paradies hat seine Schlangen. Wühlmäuse setze ich an die erste Stelle, Schnecken folgen direkt nach, Rehe kann man, wenn auch mit viel Aufwand und Mühe, aussperren, Hasen und Kaninchen spezialisieren sich auf Salate, allem voran die Asiasalate, die zum Glück schnell nachwachsen. 

„Der Utopist sieht das Paradies, der Realist das Paradies plus Schlange“, sagt Friedrich Hebbel. 

Ich bin ein leidenschaftlicher Realist. Durch und durch, bis in die letzte „Blattspitze“ – und dennoch liebe ich Utopien, Träume, ferngesteckte Ziele.

Die Corona-Auszeit im Ippenburger Garten schuf für Beides Raum. Zurück zu den Wurzeln der täglichen Arbeit, mit den Knien in der anfangs kalten und nassen Erde, dann im April unter blauen Himmel in oft sommerheißer Sonne, lehrte der Garten das, was er am besten kann: Geduld, Fleiß, Umsichtigkeit, Wachsamkeit und Durchhaltevermögen. 

In dem zwischen Gartenerde und blauem Himmel freiwerdenden Kopf entstanden, gärtnerisch gesagt, keimten und sprossen dabei neue Ideen, Utopien und Träume.

Der Garten, der so lange nur Staffage, Kulisse und Bühne für die großen und geliebten Ippenburger Festivals gewesen war, wurde allmählich wieder selbst zum zentralen Werk.

Zu einem Werk, das, obwohl es doch schon so lange existiert und so vielen Tausenden Menschen bekannt ist, ganz neu gedacht, empfunden und gestaltet werden kann.

Nun, alles hat ein Ende – auch der klösterliche Retreat in den eigenen Gartenmauern. 

Die Welt außerhalb der Mauern bleibt nicht stehen. Corona tritt den Rückzug an, das normale Leben ist auf dem Vormarsch. Der Garten muss seine Tore öffnen. Auch wenn so vieles noch unvollständig und Lichtjahre entfernt ist von den Traumbildern, die da zwischen frühlingsfeuchter Furche und strahlend blauem Himmel entstanden und an denen gerade gearbeitet wird.

Das Tempo wird erhöht, es wird geputzt, geglättet, gestrichen, geharkt und gefegt. 

Einbahnstraßen, Beschilderungen, Umwege und Ausweichbuchten für die Corona-Sicherheit werden dort angebracht, wo Wege zu schmal sind. Das Schmetterlingstal und die Wasserlandschaft werden gesperrt, weil es dort viel zu eng ist – schade, aber gut für die Tiere, sie haben ihre Ruhe.

Die „Wunderkammer Draußen“ wird nicht ganz so versteckt und verschlungen inszeniert, wie geplant, damit Beides möglich ist: Abstandhalten und Staunen.

Kleine Sehnsuchtswölkchen, die an die klösterliche Abgeschiedenheit der letzten Wochen erinnern, werden weggefegt, Vorfreude und Aufregung treten an die Stelle. Wie wird das Publikum die Ippenburger Gärten ohne den Festivalrummel erleben?

Ich bin gespannt. Und aufgeregt. Und wach. So wie Karl Foerster, mein großes Vorbild sagte:

„Wer Träume verwirklichen will, muss tiefer träumen und wacher sein als andere.“ 

Träumen wir! Die Ippenburger Gärten laden dazu ein. Mehr denn je.

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