Die Ippenburger Gärten sind an allen Sonntagen bis zum 29.8 von 11:00 – 18:00 Uhr geöffnet.

Waldinsel

Anfang des 18. Jahrhunderts wehte plötzlich der “Wind des galanten Lebens” über die Ippenburger Sümpfe. Ernst August Philip, Sohn der Mätresse des späteren Georg I. von England, hatte als junger Mann drei Jahre am Hof von Versailles und St.Cloud verbracht. Die alte Burg genügte seinen Ansprüchen nicht mehr– und er wollte Gärten und verführerische Bosketts bauen, so wie er es in Versailles gesehen hatte.

So baute er ein zauberhaftes barockes Herrenhaus, eine Orangerie und zierliche Gärten. Und er schuf ein barockes Boskett, von Wasser umgeben, ganz im Stil der „île enchanté“, der verzauberten Insel. Der Zauber ist  heute noch spürbar.

270 Jahre  später war die Insel ein undurchdringlicher Urwald. Gemeinsam mit der Landschaftsarchitektin Cornelia Müller (Lützow 7/Berlin) wurde er 2001 restauriert. Dabei stand im Vordergrund, dem historischen Plan zwar zu folgen, aber zugleich dem ´genius loci` gerecht zu werden, der durch den Zauber der Vergänglichkeit geprägt war. Die verträumte Insel ist ein wunderbarer Ort für Kunstinszenierungen. „ATLANTIS“, das der Künstler Ugo Dossi aus München, von dem die „Riesenpusteblume“ stammt, “Alice wundert sich” und viele andere Inszenierungen sorgten für Freude und Erstaunen.

„Born Free“, eine Skulptur von Ugo Dossi aus München. Im Jahr 2003 wurde sie zusammen mit der Eisenfähre „Charon`s Tool“ unter dem Motto „Atlantis“ auf der Waldinsel installiert.

Blick über den Wasserspiegel der Waldinsel auf den Westflügel. Die ursprüngliche Anlage der Waldinsel stammt aus der Zeit als Ernst August Philip von dem Bussche, inspiriert durch seinen Aufenthalt in Versailles und St Cloud, hier sein „Neues Boskett“ anlegte.

Das diesjährige Projekt, das wieder von der OLB unterstützt wird, heißt “Tischgespräche”. Es ist eine surrealistische Inszenierung, inspiriert durch Photographien von Tim Walker. Sie folgt Giorgio de Chiricos These von der verborgenen Natur der Dinge, sowie seiner Idee, Alltägliches aus seinem gewohnten Kontext herauszulösen und Reales mit Irrealem zu verbinden.

Die Waldinsel war bis Ende des 20.Jahrhunderts zu einem Urwald geworden. Man brauchte eine Machete, um sich einen Weg hindurch zu bahnen. Bei der Restaurierung 2001, die Cornelia Müller vom Berlin Büro Lützow 7 durchführte, wurde darauf geachtet den poetischen Charakter des Ortes zu bewahren. Schief stehende Bäume ließ sie z.B. bewusst stehen.

»Wenn ich mit einem intellektuellen Freund spreche, festigt sich in mir die Überzeugung, vollkommenes Glück sei ein unerreichbarer Wunschtraum. Spreche ich dagegen mit meinem Gärtner, bin ich vom Gegenteil überzeugt.«

Bertrand Russell