Ippenburger Landsträuße!

Wer hätte das gedacht!

Seit über vierzig Jahren habe ich einen Garten – Blumensträuße im Haus hatte ich nie.

Wie oft habe ich Besucher und Medienleute überrascht – ja fast schockiert, mit dem Statement, dass ich keine Blumensträuße im Haus habe. Wirklich nie.

Warum? 

Um die Frage zu beantworten muss ich tief in den Keller meines Unterbewusstseins steigen. Antworten gibt es einige – manche haben mit meiner 50ger Jahre Kindheit zu tun, mit dem Sonntagsblumenstrauß auf dem Frühstückstisch, mit dem Muttertagsstrauß aus Wiesenschaumkraut, der die frisch geweißten Sandalen ruinierte und die Dankbarkeit der Mutter relativierte. 

Oder weil Blumensträuße „schmutzen“? Ein wundervoll lustiges Wort. 

Ich sehe den Blumen nicht gern beim Sterben zu – ist es das? Aber viele Blumen sehen gerade dann spektakulär aus, wenn sie ihrem Ende nahe sind. Tulpen zum Beispiel, oder Lupinen. Nein, das ist es nicht.

  

Corona macht`s möglich. Der frühmorgendliche Beutezug gehört nun zu meinem Alltag. Ich streife umher und sammle Blumen für die Ippenburger Landsträuße, die täglich in der Wiehenbuchhandlung in Bad Essen verkauft werden.

Tausende Tulpen haben wir im Herbst in die Erde gesetzt, für IKO-Flowers, Anne Oberwalleney, die sie für Workshops, Hochzeiten und andere florale Arrangements nutzen wollte.

Tausende Tulpen waren der Anfang eines Slow Flower Cutting Gardens im großen Stil, der 2020 an den Start gehen sollte.

Dann kam Corona – Keine Hochzeiten, keine Workshops – aber Tausende Tulpen!

Das war die Geburtsstunde der „Ippenburger Landsträuße“! 

Seit Öffnung der Wiehenbuchhandlung in Bad Essen bringe ich nun an jedem Morgen kurz vor Ladenöffnung 5 bis 10 Sträuße zur Buchhandlung.

Anfangs war ich sehr nervös. Ich forschte im Netz nach allen Schnitt – und Haltbarkeitsregeln, machte Probesträuße und beobachtete ihr Verhalten in der Vase und in der Wärme der beheizten Küche.

Kein „Sonntagsblumenstrauß“ auf dem Frühstückstisch, sondern einzelne Blumen in Weck-und Marmeladengläsern – eher Labor als 50ger Jahre Idylle.

Inzwischen habe ich von vielen Menschen gehört, wie schön und überraschend sie meine Blumensträuße finden.

Das ermutigt mich und die frühmorgendlichen Schnitt – Sammel – und Beutezüge verleihen meinem Tageslauf inzwischen eine meditative Komponente.

Zuerst fahre ich an den Straßenrändern entlang und sammle Wilde Möhre und Lupinen, dann gehe ich ins Rosarium und schneide Allium. In der Wildnis streife ich umher, pflücke gelbe Iris am Ufer der Gräfte und sammle Margeriten und Kuckucksnelken im „Insektenresort“. In den Schlossgärten finde ich Akelei, Iris, letzte Bluebells und bald Bartnelken und Päonien.

Im Küchengarten plündere ich die Tulpenstreifen, pflücke Akelei und demnächst Rittersporn!

Heute habe ich für die Muttertagssträuße die letzten Tulpen gepflückt.

Nun ist es vorbei mit der barocken Fülle dieser großartigen Zwiebelblüher.

Die Tulpenzwiebeln werden nun mitsamt Stiel (ohne Samenstand!) und Blättern ebenfalls in der Wiehenbuchhandlung verkauft. Entweder man setzt sie sofort in die Erde oder aber man legt sie in einen dunklen, trocknen Raum und pflanzt sie im September an Ort und Stelle.

Alle Bilder anzeigen