Der Japanische Staudenknöterich – Mein Plädoyer

Was ist das, was wie ein Brautschleier über den Früchten der Rose „Warm Welcome“ schwebt?

Es sind die Blüten des Japanknöterichs, einem in Deutschland äußerst gefürchteten Neophyten.

Wir nannten ihn als Kinder Riesenrhabarber, er war unser schönster Spielort hinterm Hühnergehege. 

Vor ca 10 Jahren plante der Landschaftsarchitekt Ulrich Singer aus Karlsruhe im Heckenlabyrinth seinen „Zaubergarten“ und wählte als Hauptpflanze den Japanknöterich.

Ich wusste um die Problematik und kannte die Diskussionen um den Neophyten, ahnte aber nicht, wieviel Zorn, Wut und Hass einer Pflanze entgegengebracht werden kann — das habe ich in den vergangenen 10 Jahren dann erfahren.

Aber noch einmal zurück zu Ulrich Singers Zaubergarten.

Da ich immer bemüht war, die Wünsche der Gartenkünstler zu erfüllen und die Pläne 1: 1 umzusetzen, war ich nun vor die Frage gestellt: wo kann ich Japanknöterich bekommen? 

Ich erinnerte mich an einen „Busch“ im Park, genauer gesagt auf der sogenannten Reitwiese, den ich nie sonderlich beachtet hatte. Einen ovalen „Busch“ von ca 8-10m Durchmesser, der sich im Frühling durch seine frischgrüne Farbe deutlich von der Waldkulisse abhob. Könnte das Japanknöterich sein? Aber warum stand er da nun schon seit über 100 Jahren, wenn er sich doch angeblich so „invasiv“ und unkontrollierbar verhielt? 

Und tatsächlich, es war der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica (Houtt.) Ronse Decr., Synonyme: Reynoutria japonica Houtt., Polygonum cuspidatum Siebold & Zucc.), auch Kamtschatka-Knöterich oder kurz Japanknöterich genannt. Ich durchsuchte das gesamte angrenzende Parkgelände nach weiteren Pflanzen, durchstreifte anschließende das ganz Schloss- und Parkareal — nicht ein einziger Ableger! Vielleicht handelte es sich bei dieser Variante, den unsere Vorfahren Mitte des 19.Jahrhunderts, als er Einzug in deutsche Gärten fand, gepflanzt hatten, um eine nicht-invasive Spezies? — Vielleicht.

Auf jeden Fall war ich zufrieden, dass ich Ulrich Singers Zaubergarten nun aus eigenem Bestand bauen konnte. Ich stach einfach ein paar frische Triebe mit ihren Wurzeln ab und setzte sie an ihren neuen Standort.

Schon im ersten Jahr war der neugepflanzte Japanknöterich im Zaubergarten wunderschön! Das geheimnisvolle, schnell aufschießende Wachstum, das saftige Grün, das Spiel der Sonne zwischen Blättern und Zweigen –  poetisch und voller Geheimnisse. Später erfuhr ich, dass seine hübschen Sprosse sogar essbar sind und dass die Blüte im Herbst den Bienen nütze – mal abgesehen davon, dass sie einfach zauberhaft und wunderschön ist —

Ich wurde aber auch offen kritisiert, nahezu beschimpft dafür, dass ich diese Pflanze in meinen Garten geholt hatte. Welch ein Zorn gegenüber einer Pflanze, die nicht einmal giftig ist! — Das war eine seltsame Erfahrung

Ich verteidigte mich und erklärte, dass sie schon seit über 100 Jahren in Ippenburg sei und dass sie sich hier absolut gar nicht ausbreitete — und dass, falls doch mal ein Sämling irgendwo auftauchte, wir diesen entfernten, wo wir ihn nicht haben wollten —

In Ippenburg steht er nun schon seit 10 Jahren am gleichen Platz, der seit über 3 Jahren Teil der „Ippenburger Wildnis“ ist.  – Der andere große „Busch“ auf der Reitwiese seit über 100 Jahren. Sie verbreiten sich so gut wie gar nicht — Woran das liegt? Die Pflanze hat in Ippenburg sehr viel Konkurrenz – und – was vielleicht das Wichtigste ist:  das stets wachsame Auge des Gärtners, dem nichts entgeht und der, wo nötig, mäßigend eingreift, lässt ein maßloses Ausbreiten gar nicht zu. 

Hier ein paar Seiten, die eine Lanze brechen für diese prächtige, nützliche, wichtige und zauberhafte Pflanze! >>- ,

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