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Wildnis wagen!

Zwei Jahre ist es jetzt her. Exakt zwei Jahre.

Da ging ich mit Zollstock, Notizbuch und Fotoapparat  in das Heckenlabyrinth, das über 15 Jahre lang Ort der jährlich wechselnden Ippenburger Schaugärten gewesen war. Ich hatte einen Plan. Ich wollte tabula rasa machen. Es sollten nur die in den Jahren herangewachsenen Bäume stehen bleiben. Schön geordnet sollte es sein, pittoresk, mit Schafen im Schatten großer Eichen und an grünen Ufern, wo sie sich im Schloßgraben spiegeln würden.

Das war mein inneres Bild, mein Wunsch und Wille.

Als ich das Heckenlabyrinth mit forschem Schritt und Tatendrang betrat, erschrak ich. Um mich herum ertönte  Vogelgezwitscher von einer Intensität und Vielstimmigkeit, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich blieb stehen, lauschte, beobachtete. Das Summen der Bienen, die um Dost und Disteln schwirrten, Libellen, die sich auf Ufersteinen sonnten, quakende und grunzende Frösche, der Kuckuck, die Nachtigall….. Fast schuldbewußt verstaute ich  Zollstock und  Maßband  in der Jackentasche. 

Ich fühlte mich ertappt. 

Aus der Traum vom Landschaftspark! 

Keine einzige Hecke würde ich wegnehmen, keinen einzigen Schilfrand entfernen. Es würde keine Schafe am grasigen Ufer geben und  keine Spiegelbilder im Schloßgraben. 

Ein neues Bild tauchte auf. „Wilderness“. Der Begriff stammt aus Amerika. Durch das Buch „Walden“ von Henry David Thoreau wurde er auch in Europa berühmt.

Landschaftspark contra Wildnis! – 

Ich wollte es wagen! 

Warum –  wagen? Mir war klar, dass es nicht einfach werden würde, meine Entscheidung den Ippenburger Besuchern nahezubringen, die seit Jahrzehnten gewöhnt waren, in diesem Areal klassische oder auch avantgardistische Showgärten zu bestaunen. 

Ich begann, quasi als Test, einigen Erwachsenen „meine“ Wildnis zu zeigen. Sie sahen nur Disteln, Brennesseln und Unordnung. In dem Wildwuchs der sich vor ihnen ausbreitete, sahen sie eine Bedrohung, einen Störfaktor, kein Potential. Sie wünschten sich die geordneten, von Hainbuchen exakt eingefassten Quartiere zurück, mit jährlich wechselnden Themengärten, hübsch portioniert, verständlich, amüsant – zum „Genuss im Vorbeigehen“ geeignet. 

Bestärkt durch das im Juli 2017 veröffentlichte Gutachten über das erschreckende Insektensterben, und ohne Rücksicht auf „Bedenkenträger“, widmete ich mich meinem neuen Zukunftsprojekt mit voller Kraft und beschloss, es zu einem wichtigen Teil der Ippenburger Gärten zu machen. 

Nach außen grenzte ich das ca 2ha große Areal durch 5 Holztüren ab und nannte es „Ein Geheimer Garten-ein wilder Ort“. Schon im ersten Jahr pflanzte ich tausende Bäume und Sträucher,  schuf Blumenwiesen, errichtete Stein- und Totholzhaufen, baute Insektenhotels – ja ein ganzes Insektenresort!

In diesem Jahr kommt eine Wildbienenmauer dazu, da  das „Hotelresort“ von 2018 bereits „überfüllt“ ist. So wird es weiter gehen, von Jahr zu Jahr  – ein Paradies für Singvögel, Insekten und Amphipien – und für Menschen! 

Und- schon wie im ersten „Wildnisjahr“ 2018 gibt es auch 2019 wieder ein Kunstprojekt, quasi als „Brücke in die Natur“!

 „Paradiese und Utopien“ heißt es und zeigt kleine Zauberhütten und Rückzugsorte der Berliner Malerin Feodora Hohenlohe. 

Ich liebe „meine“ Wildnis. Ich hoffe, dass ich viele Menschen davon überzeugen kann, Wildnis zu wagen! 

  

 

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