Manchmal wünschte ich mir, ich würde Tagebuch führen

Von altjüngferlichen Tanten, jungfräulichen Kartoffeln und der unerschöpflichen Lust am Hüttenbau!

Manchmal wünschte ich mir, ich würde Tagebuch führen.

Und ganz sicher kommt dieser Wunsch einmal im Jahr – nämlich irgendwann zwischen  Ende April und  Mitte Mai, wenn sich die Eisheiligen nähern.

Aber meine Abneigung gegen das Tagebuchführen wurde schon in früher Kindheit in der väterlichen Großfamilie fest zementiert. Das Aufschreiben von Alltagsdingen war für mich damals eine Beschäftigung für alte Tanten, die zwanghaft ihre altjüngferlichen Belanglosigkeiten in die geraden Linien ihrer mit Samt und kostbarem Papier ausgeschlagenen Agenda ( Ajenda sagte meine Tante immer!) kritzelten, in der Hoffnung, sie dadurch mit Bedeutung zu füllen.

Das Wetterverhalten in den Tagen der Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und  Sophie der letzten Jahre hätte ich aber doch aufschreiben sollen! Das wäre sehr hilfreich, jetzt, wo der Frost bereits am 4. und 5. Mai nach meinen knackigen Kartoffelblättern giert, die so herrlich in Reih und Glied auf ihren Hügelreihen stehen, geradezu jungfräulich und weit entfernt von jedweder Furcht vor Kartoffelkäfer, Rost und Fäule!

Habe ich aber nicht. Und so ist es wie immer um die Zeit. Hoffen und Bangen,  mit Vlies abdecken, ins Glashaus räumen -oder nicht – das Worldwideweb nach Wetterberichten durchsuchen, Erfahrungsberichte der vergangenen Jahre erforschen, frühmorgens ängstlich auf das Thermometer schauen —- und, das Schlimmste von allem: Abwarten!

Abwarten, bis die Gefahr vorüber ist. 

Vor zwei Jahren kamen die Eisheiligen überraschend und heftig Ende April und zertstörten die Apfelblüte. Dran erinnere ich mich noch. Auch ohne Tagebuch. Der Ippenburger Imker war den Tränen nah und im Herbst gab es dann eine sehr  traurige Apfelernte.  Im vergangenen Jahr waren die unheiligen Heiligen dann  halbwegs pünktlich, aber äußerst  milde.

 

Zum Glück ist das erzwungene Ritardando der Gartenarbeit in Ippenburg angefüllt  mit wetterunabhängigen Arbeiten für das große Gartenfestival im Juni.

Tausende Pflänzchen für Jacqueline van der Kloets „Bauhaus-like-pattern“ im Rosarium müssen umgetopft werden und in den vollkommen überfüllten Glashäusern Platz finden, in denen Zitrusbäumchen, riesige Bananenstauden, Tomatenpflanzen, Gurken, Basilikum und andere frostempfindliche Kandidaten dicht gedrängt darauf warten, endlich ins Freie zu dürfen! 

Die Wildbienenmauer muss fertig werden, weil das Ippenburger Insektenresort bereits „fully booked“ ist, das neue Tomatenhaus muss noch gestrichen werden und die Häuser für Feodora Hohenlohes „Paradiese und Utopien“ werden jetzt gebaut. 

Und das ist wirklich ein Riesenvergnügen! Datschen, Eremitagen, kleine Zauberhütten und skurrile Rückzugsorte zu bauen ist das Schönste für die ganze Ippenburger Crew! 

Obwohl die künstlerische Phantasie der Berliner Malerin so manche Herausforderung bereithält, oder vielleicht gerade deshalb. Die Lust am am Hüttenbau ist einfach unstillbar!  Es wird diskutiert und ausprobiert, verworfen und neu geplant, und plötzlich, wie von Zauberhand, steht alles da! 

Die Eisheiligen haben wir übrigens ausgetrickst, indem wir wirklich alles abgedeckt haben! 

„Christo was here“ – So sieht es jetzt in meinem Küchengarten aus – und auf  meiner Terrasse, wo ich aus lauter Frühlingsübermut schon ein paar Zitrusbäume aufgestellt habe!