Friedrich I.

König in Preußen

 

Ehemann von Sophie Charlotte 

Friedrich I., König in Preußen, Markgraf zu Brandenburg, Erzkämmerer und Kurfürst des Heiligen Römischen Reichs, Souveräner Prinz von Oranien, geboren am 11. Juli 1657 in Königsberg; gestorben am 25. Februar 1713 in Berlin war der 3. Sohn des Großen Kurfürsten.

Nach dem Tod seines Vaters, im Jahr 1688 wurde er als Friedrich III. Markgraf von Brandenburg und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches.

Nach seiner Krönung 1701 nahm er den Namen Friedrich I. in Preußen an. 

Noch 50 Jahre zuvor, am Ende des 30jährigen Krieges, hatte sein Reich in Schutt und Asche gelegen. Nun, mitten im kalten November 1700 war Friedrich mit  300 Reise - und Gepäckwagen und 30.000 Pferden auf dem Weg nach Königsberg. Nicht etwa, um Krieg zu führen, sondern um sich und seiner Gemahlin Sophie Charlotte die Königskrone aufzusetzen.

Durch zähe Verhandlungen, List und Überredungsgabe, und mit viel, viel Geld war es ihm, dem Calvinisten, gelungen, dem katholischen Kaiser Leopold die Königswürde "abzuschwatzen". Ohne einen Tropfen Blut; ganz ohne Krieg!

Diese unheroische, friedliche Eroberung, erschien den kernigen, streitbaren Fürsten und Königen seiner Zeit wie eine Farce. Sie machten sich lustig über diesen schmächtigen König, den "schiefen Fritz", wie er genannt wurde, weil er durch einen Unfall als Kind einen kleinen Buckel hatte und spotteten über seine Eitelkeit und den Pomp, mit dem er seine Krönung feierte.

Aber sie unterschätzten ihn. Er war intelligent und er war ehrgeizig.

Der Königstitel war nicht, wie sein berühmter Enkel Friedrich der Große später spottet, nur Eitelkeit und leere Würde, die er sich zugelegt hatte um sich den Schein  der Macht zu geben. „Der Königstitel war um 1700 ein Zauberwort; (so wie heute das Wort Demokratie) Das instinktiv erfasst zu haben, hatte Friedrich I. seinem Vater, dem Großen Kurfürsten, voraus. Es war ein Einfall. Man mußte drauf kommen."(S.Haffner)

Der Westfälische Frieden hatte die Macht des Kaisers geschwächt und die der Fürstenhäuser gestärkt. Das hatte Friedrich verstanden  und für sich genutzt. Und er hatte ebenfalls verstanden, dass der Schein, den sein Enkel so kritisiert hatte, in der Politik selbst ein Stück Macht war.

Und zur Demonstration politischer Macht gehörte in der Zeit des Barock und des Absolutismus der Glanz von Kunst, Theater, Architektur und Musik.

Auch das wußte Friedrich, zumal sein Vater, der Große Kurfürst, auch dafür schon das Fundament gelegt hatte.

Um seine Macht zu demonstrieren, ließ er den renommierten Architekten Andreas Schlüter das von seinem Vater erbaute Stadtschloß in überdimensionaler Pracht umbauen; mit einem Anlegeplatz an der Spree für seine Luxusjacht. Er baute das Zeughaus, vergrößerte Schloß Oranienburg, und stattete seine Frau Sophie Charlotte großzügig aus der Staatsschatulle aus, damit sie Schloß und Park von Lietzenburg, heute Schloß Charlottenburg, mit berühmten Architekten und Gartenkünstlern zu ihrem Lusthaus umbauen konnte.

Auf Sophie Charlotte, der weltlicher Pomp nicht viel bedeutete und die es genoss in ihrem Musenhof ohne höfisches Zeremoniell zu leben, konnte Friedrich sich verlassen. Das Krönungszeremoniell und die verschwenderische Pracht war nicht etwa Selbstzweck und unnötiger Pomp, „ihr König" war kein eitler Geck. Er nutzte die festliche Repräsentanz, um die Autorität des Landes Brandenburg -  Preußen zu stärken.

Sophie Charlotte stammte aus einem der ältesten deutschen Adelshäuser und war über ihre Mutter mit dem englischen Königshaus verwandt. In ihrer  fürstlichen Erziehung hatte sie früh gelernt, dass würdevolles Zeremoniell Bestandteil fürstlicher Herrschaft ist.

Sophie Charlotte genoss die Vorteile, die die Krone ihr boten. In ihrem Lustschloss konnte sie sich ihren berühmten Musenhof einrichten, in dem Künstler und Philosophen aus ganz Europa ein und ausgingen und durch Friedrichs verschwenderische Großzügigkeit, feierte sie prächtige Feste, mit Opernaufführungen und Ballett. Sie hatte ein eigenes Orchester, das sie von ihrem Cembalo aus dirigierte.

Und da das alles viel viel Geld kostete, baute Friedrich die Akzise, eine Art Mehrwertsteuer, die sein Vater 1660 eingeführt hatte, weiter aus. Denn nicht nur seine Bauwut, Sophie Charlottes Musenhof, sondern auch das stehende Heer, das Friedrich in der Tradition seines Vaters weiterentwickelte, verschlang Unsummen,

Auch die Toleranzpolitik seines Vaters führte er fort.

Dieser hatte als Antwort auf die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. mit dem Edikt von Potsdam geantwortet, in dem er die ´Refugiés`, die verfolgten Hugenotten, nach Potsdam einludt.

20.000 Hugenotten kamen. Um 1700 war jeder dritte Einwohner Berlins Franzose!

Die ´Refugiés` wurden gut behandelt, sie bekamen Wohnungen und Kredite und wurden nicht genötigt, ihre Nationalität zu verleugnen. Sie bekamen ihre französiche Kirche, ihr französisches Gymnasium und brachten im Gegenzug Verfeinerungen in Kunst, Handwerk, in der Ernährung und in den Lebensgewohnheiten mit, wodurch sie die kulturelle Entwicklung Preußens maßgeblich förderten.

Das geschah nicht aus purer Menschenfreundlichkeit, sondern auch aus Gründen der Staatsräson.

Um die Staatskosten zu decken, musste das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden. Dieses konnte durch Bevölkerungswachstum erreicht werden.

Das hat schon der Große Kurfürst verstanden. Sein Sohn, sein Enkel und auch der Urenkel, Friedrich der Große, haben diese Tradition der preußischen Toleranz fortgeführt.

Am Tage vor seiner Selbstkrönung in Königsberg hatte Friedrich den höchsten preußischen Orden gestiftet. Der Orden, der Schwarze Adler, trug als Unterschrift die lateinischen Worte:“Suum cuique“ - „Jedem das Seine“ – Oder auch:“Jedem seine Pflicht“

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