Die Vogelwelt

Erste Ergebnisse der faunistischen Untersuchung
„Ein Geheimer Garten – Ein Wilder Ort“ Schloß Ippenburg - 3.10.2018

Das Untersuchungsgebiet (Abb.1) umfasst ca. 44 ha und ist nach Norden durch „Am Holzhof“, nach Westen durch „Westerdamm“ und im Osten durch „Falkenburg“ begrenzt. Im Südosten wurde als Begrenzung der Waldrand, im Südwesten ein unbefestigter, baumbestandener Weg (Pflaumenweg ?) festgelegt. 

Untersuchungsgebiet

Der Charakter des Untersuchungsgebietes ist wesentlich von einer hohen strukturellen Vielfalt geprägt. Die ausgedehnte Stillgewässerlandschaft mit ihren besonnten und beschatteten Bereichen prägt ein buntes Mosaik aus Wald, Strauch-Baumhecken, auenähnlichen Abschnitten, Schilfgürtel, Grünland, bunten (Ufer- )Säumen sowie kleineren Bracheflächen. Großer Höhlenreichtum vor allem in den alten Bäumen, Totholz in Wald und in der Wildnisecke tragen zur Vielfalt des Gebietes bei.

In der sogenannten „Wildnis“ herrscht ein Mosaik aus überwiegend einheimischer Flora mit aussamenden Blumen- und Kräuterbeständen vor sowie verwilderte Gartenecken mit verfallenden Hütten, verwilderten Obstgehölzen und Beerensträuchern. Unweit der „Wildnis“ecke finden sich Bereiche einer Weichholzaue. Die dort platzierten Insektennisthilfen sind teilweise gut angenommen worden, d.h. sie sind besetzt und verschlossen worden.

Methode


Vögel

Zur Erfassung der Avifauna wurden (überwiegend in den frühen Morgenstunden, teilweise auch in den Abendstunden) zehn flächendeckende Begehungen zwischen Februar und Juni 2018 durchgeführt.


Libellen

Die Erfassungen der Libellen viermal bei guten Wetterbedingungen zwischen Juni und September 2018.

 

Ergebnisse


Säugetiere (Zufallsfunde)

Besonders auf der kurzrasigen Insel im südlichen UG wurden bis zum Juni etwa 50 ausgeweidete

Teichmuscheln gefunden. Möglicherweise sind hierfür Waschbären verantwortlich.


Vögel

Es konnten 61 Vogelarten im UG beobachtet werden. Unter diesen befinden sich 50 Brutvogelarten, sieben Arten, die als Nahrungsgäste geführt werden (sie wurden regelmäßig bei der Nahrungssuche beobachtet). Fünf Arten wurden im geeigneten Lebensraum zur Brutzeit festgestellt, eine Brut konnte jedoch nicht bestätigt werden. Eine Art wurde nur überfliegend festgestellt.

Unter den 61 festgestellten Vogelarten sind 9 streng geschützte Arten, 17 Arten der Roten Liste bzw. der Vorwarnlisten Niedersachsens bzw. Deutschlands und zwei Arten als Anhang-I-Arten der EU- Vogelschutzrichtlinie (eingeschlossen die Nichtbrüter).

23 Arten erfüllen hiernach mindestens eines der nachfolgend aufgeführten Kriterien:

  • Arten der Roten Listen (Deutschland und Niedersachsen);
  • Arten mit ungünstigen Erhaltungszuständen,
  • Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie,
  • streng geschützte Arten (BNatSchG)

Die relativ hohe Vogelartenzahl ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei dem untersuchten Gebiet um eine äußerst vielfältige, von Gewässerbereichen geprägte Landschaft mit einer hohen strukturellen Vielfalt handelt, die vielen Vogelarten sowohl Nahrungs- als auch Brutnischen bietet.


Amphibien (Zufallsfunde/ Zählungen)

Im Frühjahr konnte sowohl Grasfrosch- als auch Erdkrötenlaich festgestellt werden.


Libellen

Es konnten 16 Libellenarten, jeweils 8 Kleinlibellen- und 8 Großlibellenarten an den Gewässern rund um das Schloss beobachtet werden. Beim überwiegenden Teil der fliegenden Libellen konnte Fortpflanzungsverhalten dokumentiert werden. Das heißt, dass sie sich in den Gewässern rund um das Schloss fortpflanzen.

Bei den Arten handelt es sich überwiegend um nicht gefährdete Arten, eine genauere Anamnese steht allerdings noch aus.

Die relativ hohe Vogelartenzahl ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei dem untersuchten Gebiet um eine äußerst vielfältige, von Gewässerbereichen geprägte Landschaft mit einer hohen strukturellen Vielfalt handelt, die vielen Vogelarten sowohl Nahrungs- als auch Brutnischen bietet.

Auch die V ielfalt der Libellenarten ist höchstwahrscheinlich auf das Gewässermosaik zurückzuführen.

  

Brutphase

Im genannten Bereich brüten ein paar Vogelarten, die Ende Mai bzw. zu Beginn des Monats Juni mitten in der Brut- bzw. Aufzuchtsphase ihrer Jungvögel sind und damit direkt in einer sehr sensiblen Phase des Brutgeschehens bzw. des Fütterns ihrer Jungen. Problematisch kann sich auch die aufwendige Suche des Futters gestalten, Jungvögel sind in diesem Alter sehr auf Insekten, also eiweißreiches Futter angewiesen. Eine Fütterung der teilweise bis zu 4-6 Jungen in einem Gelege erfordert nahezu eine kontinuierliche Nahrungssuche beider Eltern. Störungen durch Lärm oder unbedachtes Verhalten können nachhaltig den Fortpflanzungserfolg beeinträchtigen. Eine regelmäßige Fütterung ist unbedingt wichtig zur Versorgung der Jungen. 


Mittagspause für die Vögel

Gönnen wir diesen Singvögeln also eine Mittagspause, in der sie ungestört ihre Jungen versorgen können.
Pause in dem Bereich zwischen 14.00 –15.30h.


Besonderes Merkmal aller hier brütenden Vogelarten:

Es sind Insektenfresser, die durch den Rückgang der Insekten ganz besonderen Problemen ausgesetzt sind. 

Auch der Star (ebenfalls Insektenfresser) brütet zahlreich in den zahlreichen Baumhöhlen im Schlossbereich. Die Jungen des Stars sind allerdings bereits ausgeflogen.

Besonders erwähnenswert ist auch der Kuckuck, der im Bereich Schloss Ippenburg vielfach zu hören ist. Er legt seine Eier in fremde Nester und einer seiner Hauptwirte ist der hier brütende Teichrohrsänger. 


Brutphasen der einzelnen hier brütenden Arten im Mai und Juni

1 - Kuckuck Cuculus canorus
Ende Mai - rufende/ ansitzende Tiere

2 - Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus
Ende Mai - sensible Phase - Gesang, Revierverteidigung, brütet im Juni

3 - Sumpfrohrsänger Acrocephalus palustris
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Revierverteidiggung, brütet im Juni

4 - Gelbspötter Hippolais icterina RL 2
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Warnrufe, fütternde Altvögel

5 - Gartengrasmücke Sylvia borin V
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Nestbau, Warnrufe

6 - Dorngrasmücke Sylvia communis
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Nestbau, Warnrufe

7 - Mönchsgrasmücke Sylvia atricapilla
Ende Mai – Jungvögel

8 - Zilpzalp Phylloscopus collybita
Ende Mai – sensible Phase - Fütterung von Jungvögeln

9 - Fitis Phylloscopus trochilus
Ende Mai – sensible Phase - Fütterung von Jungvögeln