Die Vogel- und Tierwelt 2018

In einem Bereich in der Größe von ca. 44 ha* um das Schloss Ippenburg wurde 2018 schwerpunktmäßig die Vogelwelt erfasst, zudem auch Libellen und Zufallsfunde weiterer Tiergruppen. 

*Untersuchungsgebiet: Im Norden begrenzt durch „Am Holzhof“, im Westen durch „Westerdamm“, im Osten durch „Falkenburg“; im Süden bildete der Waldrand, im Südwesten der Pflaumenweg die Untersuchungsgrenze.

Untersuchungsgebiet

Rund um das Schloss herrscht eine hohe strukturelle Vielfalt. Die ausgedehnte Stillgewässerlandschaft mit ihren besonnten und beschatteten Bereichen prägt ein buntes Mosaik aus Wald, Strauch-Baumhecken, auenähnlichen Abschnitten, Schilfgürtel, Grünland , bunten (Ufer-)Säumen sowie kleineren Bracheflächen. Großer Höhlenreichtum lässt sich vor allem in den alten Bäumen finden, reichlich Totholz im Wald und in der Wildnisecke tragen zur Vielfalt des Gebietes bei.

In der sogenannten „Wildnis“ herrscht ein Mosaik aus überwiegend einheimischer Flora mit aussamenden Blumen- und Kräuterbeständen vor sowie verwilderte Gartenecken mit verfallenden Hütten, verwilderten Obstgehölzen und Beerensträuchern. Unweit der „Wildnis“ecke finden sich Bereiche einer Weichholzaue. Die dort platzierten Insektennisthilfen sind teilweise gut angenommen worden, d.h. sie sind besetzt und verschlossen worden.

Die Erfassung von Vögeln und Libellen erfolgte nach den für wissenschaftliche Untersuchungen üblichen methodischen Standards.

Ergebnisse

Vögel

Es konnten 61 Vogelarten im UG beobachtet werden. Unter diesen befinden sich 50 Brutvogelarten, sieben Arten, die als Nahrungsgäste geführt werden (sie wurden regelmäßig bei der Nahrungssuche beobachtet). Fünf Arten wurden im geeigneten Lebensraum zur Brutzeit festgestellt, eine Brut konnte jedoch nicht bestätigt werden. Eine Art wurde nur überfliegend festgestellt.

Unter den 61 festgestellten Vogelarten sind 9 streng geschützte Arten, 17 Arten der Roten Liste bzw. der Vorwarnlisten Niedersachsens bzw. Deutschlands und zwei Arten als Anhang-I-Arten der EU- Vogelschutzrichtlinie (eingeschlossen die Nichtbrüter).

23 Arten erfüllen hiernach mindestens eines der nachfolgend aufgeführten Kriterien:

  • Arten der Roten Listen (Deutschland und Niedersachsen);
  • Arten mit ungünstigen Erhaltungszuständen,
  • Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie,
  • streng geschützte Arten (BNatSchG)


Libellen

Es konnten 16 Libellenarten, jeweils 8 Kleinlibellen- und 8 Großlibellenarten an den Gewässern rund um das Schloss beobachtet werden. Beim überwiegenden Teil der fliegenden Libellen konnte Fortpflanzungsverhalten dokumentiert werden. Das heißt, dass sie sich in den Gewässern rund um das Schloss fortpflanzen.

Bei den Arten handelt es sich überwiegend um nicht gefährdete Arten. 

Weitere Funde

Unter den Amphibien wurden Erdkröten als auch Grasfrösche nachgewiesen. Anzunehmen sind Vorkommen weiterer Arten wie z.B. Molche.

Aufgrund zahlreicher Fraßfunde von Teichmuscheln und Beobachtungen wird die Anwesenheit von Waschbären angenommen.

 

Bedeutung

Die relativ hohe Vogelartenzahl ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei dem untersuchten Gebiet um eine äußerst vielfältige, von Gewässerbereichen geprägte Landschaft mit einer hohen strukturellen Vielfalt handelt, die vielen Vogelarten sowohl Nahrungs- als auch Brutnischen bietet.

Auch die V ielfalt der Libellenarten ist höchstwahrscheinlich auf das reichhaltige Landschafts- und Gewässermosaik mit unterschiedlichsten Stillgewässerbereichen zurückzuführen.

Belm, 16.10.2018
BIO-CONSULT, Belm Dr. B. ten Thoren

Brutphase der Vögel

Im genannten Bereich brüten ein paar Vogelarten, die Ende Mai bzw. zu Beginn des Monats Juni mitten in der Brut- bzw. Aufzuchtsphase ihrer Jungvögel sind und damit direkt in einer sehr sensiblen Phase des Brutgeschehens bzw. des Fütterns ihrer Jungen. Problematisch kann sich auch die aufwendige Suche des Futters gestalten, Jungvögel sind in diesem Alter sehr auf Insekten, also eiweißreiches Futter angewiesen. Eine Fütterung der teilweise bis zu 4-6 Jungen in einem Gelege erfordert nahezu eine kontinuierliche Nahrungssuche beider Eltern. Störungen durch Lärm oder unbedachtes Verhalten können nachhaltig den Fortpflanzungserfolg beeinträchtigen. Eine regelmäßige Fütterung ist unbedingt wichtig zur Versorgung der Jungen. 


Mittagspause für die Vögel

Gönnen wir diesen Singvögeln also eine Mittagspause, in der sie ungestört ihre Jungen versorgen können.
Pause in dem Bereich zwischen 14.00 –15.30h.


Besonderes Merkmal aller hier brütenden Vogelarten:

Es sind Insektenfresser, die durch den Rückgang der Insekten ganz besonderen Problemen ausgesetzt sind. 

Auch der Star (ebenfalls Insektenfresser) brütet zahlreich in den zahlreichen Baumhöhlen im Schlossbereich. Die Jungen des Stars sind allerdings bereits ausgeflogen.

Besonders erwähnenswert ist auch der Kuckuck, der im Bereich Schloss Ippenburg vielfach zu hören ist. Er legt seine Eier in fremde Nester und einer seiner Hauptwirte ist der hier brütende Teichrohrsänger. 

Brutphasen der einzelnen hier brütenden Arten im Mai und Juni

1 - Kuckuck Cuculus canorus
Ende Mai - rufende/ ansitzende Tiere

2 - Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus
Ende Mai - sensible Phase - Gesang, Revierverteidigung, brütet im Juni

3 - Sumpfrohrsänger Acrocephalus palustris
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Revierverteidiggung, brütet im Juni

4 - Gelbspötter Hippolais icterina RL 2
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Warnrufe, fütternde Altvögel

5 - Gartengrasmücke Sylvia borin V
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Nestbau, Warnrufe

6 - Dorngrasmücke Sylvia communis
Ende Mai – sensible Phase - Gesang, Nestbau, Warnrufe

7 - Mönchsgrasmücke Sylvia atricapilla
Ende Mai – Jungvögel

8 - Zilpzalp Phylloscopus collybita
Ende Mai – sensible Phase - Fütterung von Jungvögeln

9 - Fitis Phylloscopus trochilus
Ende Mai – sensible Phase - Fütterung von Jungvögeln