Sophie

von Hannover

 

Mutter von Sophie Charlotte

Sophie Herzogin von Braunschweig - Lüneburg, 1692 Kurfürstin von Hannover, 1701 Thronerbin Englands.

Geboren als Sophie von der Pfalz am 14.Oktober 1630 in Den Haag, gestorben am 8. Juni 1714 in Hannover - Herrenhausen.

1658 Heirat mit Herzog Ernst August von Braunschweig - Lüneburg

 

Sophie von der Pfalz ist das zweitjüngste von 13 Kindern der englisch-schottischen Prinzessin Elisabeth Stuart und des, als „Winterkönig" verspotteten Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz. Ihre Mutter ist die Tochter von Jakob I. von England, und die Enkelin von Maria Stuart, ehemals Königin von Frankreich, später Königin von Schottland, die  wegen verschiedener Veschwörungen gegen ihre Kusine Elizabeth I. enthauptet wurde.

Sophies Onkel, Karl I.von England, der Bruder ihrer Mutter, wurde ebenfalls hingerichtet und ihr Vater, Friedrich V. von der Pfalz, Anführer der militanten protestantischen Union ließ sich von den aufständischen Protestanten zum König von Böhmen krönen. Er blieb dieses aber nur einen Winter lang, bis er in der Schlacht bei Weißenberg vor Prag vom Kaiser geschlagen wurde, weshalb er mit dem Spottnamen "Winterkönig" in die Geschichte einging.

Geboren wurde Sophie inmitten der Wirren des 30 jährigen Krieges, an dessen Entstehen und Fortdauer  ihr Vater maßgeblich beteiligt war. Sie  wuchs auf im holländischen Exil, wohin ihre Eltern geflohen waren, nachdem der Kaiser ihren Vater mit der Reichsacht gestraft hatte. Das bedeutete, dass er den gesamten Besitz verlor und für "vogelfrei"  erklärt wurde.

Gemeinsam mit ihren Geschwistern wurde Sophie zur Erziehung nach Leyden geschickt, während ihre Mutter in Den Haag  "Hof hielt" und ihren ausschweifenden königlichen Lebensstil fortführte. In ihren Memoiren schreibt Sophie:"Kaum war ich so weit, dass ich fortgeschafft werden konnte, als die Königin, meine Mutter, mich nach Leyden schickte....wo Ihre Majestät alle ihre Kinder fern von sich erziehen ließ, denn der Anblick ihrer Affen und Hunde war ihr angenehmer als der unsrige." Sophie lernte mehrere Sprachen, Geschichte, Geographie, Zeichnen, das Lautenspiel und Tanzen.  Außerdem erhielt sie von ihren Gouvernanten  einen streng calvinistischen Religionsunterricht, "man lehrte mich den Heidelberger Katechismus auf deutsch und ich wußte ihn ganz und gar auswendig ohne ihn zu verstehen."

Die streng protestantische Erziehung, die umfassende humanistische Bildung, ihr analytischer Verstand und ihr "englischer Humor" ermöglichten es ihr sehr früh, zu allem, was sie erlebte eine ironische Distanz aufzubauen und alles kritisch zu beurteilen, um Leid und Kummer nicht an sich herankommen zu lassen.

Sophies Vater starb als sie gerade zwei Jahre alt war. Ihr ältester Bruder ertrank im Alter von 14 Jahren in der Nähe von Haarlem und auch Sophies kleiner Bruder starb achtjährig an einer langen, schmerzvollen Krankheit.

Nach dem Tod ihres kleinen Bruders holte die Mutter die  neunjährige Sophie an „ihren Hof"in  Den Haag zurück, wo sie mit ihren drei älteren Schwestern zusammentraf, die sie wegen deren Schönheit und Bildung sehr bewunderte.

Besonders ihre Schwester Elisabeth, spätere Äbtissin von Herford, die u.a. Descartes zu ihren Gesprächspartnern zählte, begeisterte sie und wurde zu ihrem Vorbild. An dem Hof der Mutter in Den Haag, an dem man Sophies Intelligenz zu schätzen wußte, ihre Bildung förderte und wo sie sich von den Fesseln der Frömmelei befreit fühlte, gedieh Sophies wißbegieriger Geist.

Schnell gelang es ihr, durch ihren Witz und ihre intelligente Beobachtungsgabe ihre Umgebung zu unterhalten. "Ich hatte mir angewöhnt, alle zu verspotten. Die Geistreichen amüsierten sich darüber, und die anderen fürchteten mich."

Obwohl sie sich neben ihren schönen Schwestern eher als häßlich empfand, wuchs sie zu einem schönen und begehrten jungen Mädchen heran, das eine tadellose adelige Erziehung genossen hatte, in der Anstand und Contenance an oberster Stelle stehen, und das sich ihres hohen Standes wohl bewußt war.

Das " Heiratskarussell" des europäischen Hochadels, in das sie unweigerlich hineingeriet, weil ihre Mutter und ihre älteren Schwestern sich dafür einsetzten, dass sie den englischen Thronfolger heiraten sollte, schmeichelte ihr durchaus. Da aber das Haus Oranien  Interesse an derselben Verbindung hatte, zog Sophie es vor, zu ihrem 13 Jahre älteren Bruder, Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, nach Heidelberg zu ziehen um den Rangeleien und Eifersüchteleien am holländischen Hof zu entkommen.

Dort traf sie auch  Ernst August, Herzog von Hannover und dessen zweitältesten Bruder Georg Wilhelm, die auf der Rückreise  von Venedig in Heidelberg Station machten. Ernst August hatte sie schon einmal früher in Holland gesehen, "aber da er der jüngste von vier Brüdern war, so sah man ihn nicht als einen zum heiraten geeigneten Prinzen an."

Da Georg Wilhelm von seinem Geheimen Rat schon länger gedrängt wurde,zu heiraten, hielt er bei Sophies Bruder Karl Ludwig von der Pfalz um ihre Hand an.

Da Sophie inzwischen über 25 Jahre alt war und realistisch genug, um zu wissen, dass ihr als Unverheiratete nur das adelige Damenstift blieb, willigte sie in die Verlobung mit Georg Wilhelm ein.

Als dieser dann aber doch seinen Junggesellenstatus nicht aufgeben möchte, bittet er seinen jüngsten Bruder Ernst August an seine Stelle zu treten und Sophie zu heiraten.

Georg Wilhelm verspricht ihm, niemals zu heiraten, sein ganzes Erbe seinem jüngeren Bruder abzutreten und ihm zeitlebens eine Summe zu zahlen, die es Ernst August ermöglichen würde, mit Sophie ein standesgemäßes Leben zu führen.

Es kommt zu dem vertraglich geregelten "Brauttausch",einen der ersten strategischen Schachzüge Ernst - Augusts in seinem Spiel um Macht und Geltung des Hauses Hannover.

Sophie reagierte gelassen auf diesen 'Kuhhandel', zumal er sie davor bewahrte, den Bruder des schwedischen Königs, Prinz Adolf heiraten zu müssen, der sehr häßlich war und von dem gesagt wurde, dass er seine erste Frau geschlagen habe. Als Ernst August sie fragt, ob er bei ihrem Bruder um ihre Hand anhalten dürfe, antwortete sie „nicht wie eine Romanheldin; denn ich zögerte nicht, ja zu sagen. Denn er gefiel mir viel besser als der Prinz Adolf, gegen den ich eine Abneigung hatte, die ich nur Kraft der Tugend hätte überwinden können."

Tugend, Anstand, Verschwiegenheit, Realismus, Vernunft...das sind die Grundsätze, die Sophie ein Leben lang befolgte und die sie auch von ihren Standesgenossen verlangte.

Als ihre Schwägerin, die Frau ihres Bruders, sich bei ihr beklagte, dass sie den Kurfürsten gegen ihren Willen heiraten mußte, empfindet sie das als ungehörig. "Die Rede  überraschte mich ernstlich, und ich wünschte mich tausendmal nach Den Haag zurück, wo ich immer gesehen hatte, dass es für ein Verbrechen galt, wenn eine Frau sich über ihren Mann beklagte, und dass man solche Törinnen lächerlich machte."

Als Ernst August, den nach einer kurzen Zeit ehrlicher Liebe und heftiger Leidenschaft, die übliche Langeweile und Rastlosigkeit befällt, seiner Lust, nach Venedig zu reisen, nicht mehr widerstehen kann, kommentiert sie lakonisch die schon früh einsetzende Untreue ihres Gatten: "Das heilige Band der Ehe hatte den galanten Sinn des Herrn Herzogs nicht geändert; es langweilte ihn, immer ein und dieselbe Sache zu besitzen, und das zurückgezogene Leben war ihm lästig." Das Schicksal, von ihrem Gatten um seiner Mätressen willen vernachlässigt zu werden, teilte sie mit den meisten fürstlichen Frauen und Königinnen ihrer Zeit.

Ihren Prinzipien folgend, bewahrte sie Haltung und zeigte allenfalls in kleinen spöttischen Andeutungen ihr Mißfallen über das Verhalten ihres Gatten, „der nicht müßig sein konnte, und dessen galante Laune ihm nicht gestattete ohne Liebeleien zu sein."

Auch gegen die Madame Platen, die in den Siebziger Jahren zur dauerhaften Mätresse, der 'Maitresse en titre',  wurde, äußerte sie sich mit keinem Wort, da es "für ein Verbrechen galt, wenn eine Frau sich über ihren Mann beklagte."

Obwohl Sophie ihrem Mann an Bildung, Verstand und Geist absolut ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen war, so war sie ihm doch untertan, wie es ein englischer Gesandter 1698 feststellte: „Sie ist wirklich sehr fähig und eine Frau von großer Begabung, aber sehr stark dem Herzog unterworfen."

Sie wußte den ' Freiraum' , der durch Ernst Augusts Vernachlässigung entstanden war, sinnvoll zu nutzen und ertrug die Degradierung durch die Mätresse Platen, die Sophies Platz als erste Frau am Hof schamlos einnahm, mit Gelassenheit. Die Liebe zu ihren Kindern, denen sie eine bessere Mutter sein wollte, als sie es bei ihrer Mutter erlebt hatte und ihre Freundschaft zu ihren Nichten, insbesondere zu der berühmten Liselotte von der Pfalz erfüllten sie. Ihre Liebe zu Kunst, Literatur, Malerei und zur Gestaltung ihrer Gärten, in Osnabrück und später in Herrenhausen,  sowie die Gespräche und der Briefwechsel, den sie mit dem Philosophen Leibniz führte, gaben ihr Kraft, die Launen und Zumutungen, denen Sie an ihrem Hof ausgesetzt war, zu ertragen.

Als Ernst August auf dem Weg zur Kurfürstenwürde die Primogenitur einführte, die nur den ältesten Sohn als Erbe zuließ, setzte sie sich kämpferisch für ihre sechs jüngeren Söhne ein und wurde, weil sie von der Verschwörung des Sohnes Maximilian wußte, dieses aber  für sich behielt, des Landesverrats für mitschuldig erklärt, vom Geheimen Rat verhört und unter Arrest gestellt.

Sophie durfte längere Zeit ihre Gemächer nicht verlassen und niemanden empfangen.

In einem vertraulichen, langen und tief traurigen Brief schrieb sie an den Ersten Geheimen Rat und früheren Erzieher ihrer beiden ältesten Söhne, Albrecht Philip von dem Bussche: „Da ich Sie immer bei allen Angelegenheiten als  einen meiner besten Freunde gefunden habe, so habe ich kein Bedenken, Ihnen mein Herz auszuschütten....." Sie versucht ihm ihre Position zu erklären, dass sie nur aus Liebe gehandelt habe „dass ich zuviel Liebe für meine jüngeren Söhne gehabt habe, in der Meinung, dass man ihnen Unrecht tut." Sie bittet ihn, „sich die Mühe zu nehmen, meinen ältesten Sohn die Gründe lesen zu lassen" und schließt den Brief mit den Worten: „aus Furcht, an allem meinem Kummer zu ersticken, habe ich mich durch diese Schrift bei Ihnen davon befreien wollen; denn es ist gegenwärtig ein Verbrechen, mit mir zu sprechen, und ich habe es nicht mündlich tun wollen, um Ihnen nicht zu schaden."

Dieser Streit stellte einen Tiefpunkt in ihrer Ehe dar, denn trotz der Untreue und Rücksichtslosigkeit ihres Mannes hielt sie an ihrer Liebe zu ihm fest, die sie ganz am Anfang ihrer Ehe in einem Brief an ihren Bruder als "Wunder" bezeichnet hatte „Ich erlebe das Wunder dieses Jahrhunderts, meinen Ehemann zu lieben."

Es war also nicht nur Tugend, Haltung und Vernunft, die ihre Ehe prägte, sondern echte Liebe, die sie für ihn empfand und die nun ihre Traurigkeit nur noch verstärkte.

Noch größer allerdings war die Liebe zu Ihren Kindern. Und das Verhalten ihres Mannes im Streit um die Primogenitur war für sie unerträglich. "Arm Gustchen wird ganz verstoßen; sein Herr Vater will ihm gar keinen Unterhalt mehr geben. Ich lache am Tag, und schreie die ganze Nacht darüber, denn ein Kind ist mir ebenso lieb wie das andere. Ich habe sie alle unter meinem Herzen getragen und die unglücklich sein, jammern einen am Meisten. Was Gott will, damit muß man zufrieden sein; aber dieses ist ein harter Sturz für mich, denn ich bin ein Narr mit meinen Kindern."  Die Verbitterung darüber, dass sie drei Söhne als direkte Folge der Primogeniturregelung in verschiedenen Kriegen verlor, und  Maximilian den Kontakt vollkommen abgebrochen hatte, belastete sie bis zu ihrem Tod. Als ihre einzige Tochter Sophie Charlotte 1705 im Alter von 37 Jahren während eines Aufenthaltes in Hannover  starb, schrieb sie an ihren Schwiegersohn, Friedrich I, „Ich habe verloren, was mir meine größte Freude in dieser Welt war, es scheint, Gott will nicht haben, dass wir unser Herz auf etwas Zeitliches sollen setzen." Und noch fast zwei Monate später schließt sie einen Brief an den hannoverschen Gesandten in Den Haag mit den tieftraurigen Worten:"...; meine ganze Philosophie dient mir noch zu nichts, worüber ich sehr betrübt bin."

Sie fand Trost in der Gestaltung des Gartens in Herrenhausen, in dem sie täglich mehrere Stunden spazieren ging und die Arbeiten überwachte, sowie durch ihr vielfältiges Interesse an Politik, Philosophie und Religion, das ihr half, über die Trauer hinwegzukommen.

Besonders engagierte sie sich für die Reunionspolitik, die das Ziel hatte,  alle christlichen Konfessionen wieder zu vereinen. Ihre liberale Haltung gegenüber allen Konfessionen und Religionen hat sie in vielen Briefen geäußert.  An eine Nichte schreibt sie 1688: „In jener Welt wird man uns nicht fragen, von welcher Religion wir gewesen sein, sondern was wir Gutes und Böses getan haben; daran ist wohl am meisten gelegen, das andere ist ein Pfaffengezänk.....Ich bekenn, ich bin nicht parteilicher in der Religion, als mein Herr Bruder der Kurfürst war,welcher alle christlichen Religionen für gleich hielt....Dies sei aber alles unter uns gesagt, im Vertrauen. Wären Calvin und Luther nicht gekommen, wären wir alle katholisch."

Und an die Gräfin Horn, Verlobte von Clamor von dem Bussche, die Calvinistin war, wie Sophie, und Gewissensbisse hatte, einen Lutheraner zu heiraten, schreibt sie:" ...dass Gott nicht deshalb die Religion in das Herz der Menschen gelegt habe, - und zwar bei allen Völkern - weil er unsere Dienste nötig hat, sondern weil er will, dass es ein Gesetz gebe in allen Ländern, damit seine Geschöpfe in guter Gemeinschaft miteinander leben können..."

Sophie war eine geistreiche, standesbewußte, schlagfertige und starke Frau.

Durch ihre oft sarkastischen Äußerungen erschien sie manchen Zeitgenossen und vielen Historikern als hartherzig und arrogant. Besonders ihre Haltung gegenüber Sophie Dorothea, ihrer Schwiegertochter, die als Prinzessin von Ahlden zu trauriger  Berühmtheit gelangte, wurde als kalt, herzlos und hochmütig kritisiert.

Nicht standesgemäße Ehen wurden  in adeligen Familien jedoch als Problem betrachtet. Liselotte von der Pfalz schrieb an ihre Tante Sophie, nachdem die Königsmarckaffäre bereits eskaliert war, ob Sophie Dorothea denn nicht wisse,“dass der Weiber Ehre darin liegt, mit Niemanden als ihren Männern zu Thun zu haben, und dass es den Männern keine Schande ist, Mätressen zu haben, aber wohl, Hahnrei zu sein?...und dass die Weiber sich tausend Unglück auf den Hals ziehen, wenn sie solches unterfangen?"

Liselotte warnte vor den Problemen, die entstünden, " wenn der Mausdreck sich mit dem Pfeffer mischt" , und vor dem Hintergrund ist Sophies Haltung, gegenüber dem Bemühen ihres Mannes, Sophie Dorothea mit Georg zu verheiraten, verständlich, auch wenn sie einsah, dass „der Herzog ein sehr guter Vater war" und glaubte, „dadurch seine Familie sicherstellen zu können." Als anfangs aus den Eheverhandlungen nichts wurde, war sie erleichtert, und betonte, dass sie ihren Sohn lieber mit der Tochter von Johann Friedrich, dem anderen Bruder von Ernst August verheiratet hätte, „deren Abstammung angemessener war.....wenn ich dabei einen Vorteil hätte finden können."

Als es schließlich nicht mehr abzuwenden war, kommentierte sie es in ihrer typisch ironischen Art: „es ist eine bittere Pille, aber wenn sie mit 100.000 Talern vergoldet wird, macht man die Augen zu und schluckt sie runter."

Dass die Verbindung nicht funktionieren konnte, mußte Sophie von Anfang an klar gewesen sein, schließlich hatte sie die katastrophale Ehe ihrer vergnügungssüchtigen, "putzsüchtigen" und koketten Schwägerin und die anschließende Scheidung ihres Bruders am Heidelberger Hof miterlebt.

Sophie Dorothea langweilte sich am Hof. Zu ihrer 15jährigen Schwägerin Sophie Charlotte und zu ihrer Schwiegermutter Sophie hatte sie "keinen Draht" , sie bezeichnete Sophie Charlotte als einen "an Äußerlichkeiten desinteressierten Blaustrumpf" , ihre Schwiegermutter fand sie " verknöchert und langweilig" während diese befanden, Sophie Dorothea sei " undiszipliniert, kümmere sich zu wenig um Etikette und gute Manieren, die ihnen selbstverständlich waren, und legte eine törichte Oberflächlichkeit an den Tag, mit ihrem ständigen Bestreben, sich so zu kleiden, dass Gräfin Platen, über deren privilegierte Stellung am Hof sie sich ärgerte, ausgestochen, oder zumindest in den Schatten gestellt wurde." (R.Hatton)

Ähnlich wie Sophie in Heidelberg gleich am ersten Abend nach der Begegnung mit ihrer Schwägerin " in ihrer holländischen Offenheit" sagte „meine Frau Schwägerin ist nicht sehr geistreich" , wird sie auch ihre kokette, gefallsüchtige, verschwenderische und schnell gelangweilte Schwiegertochter bewertet haben. Aber ihre Contenance und ihre Verschwiegenheit geboten ihr, darüber in der Öffentlichkeit zu schweigen. In ihren Briefen findet man zu der Königsmarckaffäre nur einige, lapidare Kommentare. „Wann die Frau ihren Mann nicht leiden kann, ist sie besser von ihm, als bei ihm. Die Knesebeck sitzt auf dem Land gefangen. ...Hier denkt man nicht mehr an chagrinante Sachen. Der Verlust von Königsmarck muß von guten Freunden für eine aparte Sache gehalten werden, obschon die ganze Welt weiß, was die Glocke geschlagen hat." Und nach einem halben Jahr schreibt sie:"Die Ehescheidung ist hier ganz gemacht; die Sentenz lautet, dass mein Sohn wieder heiraten darf, die Prinzessin aber nicht. Er will aber von keinem Heiraten mehr hören."

Das klingt hart, ist aber eher Sophies Haltung zu allen Dingen, die der Staatsräson folgen, zuzurechnen. Sie hatte am eigenen Leib erfahren, dass es keinen Sinn hatte, dagegen anzugehen. Außerdem lebte sie in Herrenhausen, auf ihrem Alterssitz, weit genug entfernt von "dem groß Geschrei" am Hof.

Sie pflegte ihre zahlreichen Freundschaften und Briefwechsel, besuchte ihre Tochter in Berlin und freute sich an ihrem kleinen Enkelsohn, dem späteren "Soldatenkönig" der für einige Zeit zur Erziehung nach Hannover geschickt worden war.

Und sie kümmerte sich um ihren Garten in Herrenhausen, in dem sie täglich mehrere Stunden verbrachte, und wo sie am 8. Juni 1714 während eines Abendspazierganges im Alter von 83 Jahren starb.

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