Friedrich Wilhelm

Kurfürst von Brandenburg, geb. 1620, gest.1688

 

Der Schwiegervater von Sophie Charlotte  

Preußen hat keine tausendjährige Geschichte, wie zum Beispiel die Welfen und wie die meisten Länder Europas.

Aber die preußische Geschichte ist hochinteressant, besonders heute, da wir Anfang und Ende bestimmen können.

Allerdings schon bei der Bestimmung des Anfangs gehen die Meinungen auseinander. War es Johann Sigismund, der das Herrschaftsgebiet im Westen um Jülich und Kleve vergrößerte und im Osten Anspruch auf Preußen geltend machte? Oder war es der Große Kurfürst, der mit dem Sieg von Fehrbellin die schwedische Armee schlug, die als die beste Europas galt? Und der Ostpreußen aus der polnischen Oberhoheit befreite? Und der mit dem Edikt von Potsdam auf die Verfolgung der Hugenotten durch Ludwig XIV. reagierte? Dieser hatte das Edikt von Nantes, das die Hugenotten  in Frankreich schützte, aufgehoben und sie der Verfolgung ausgeliefert. Der Große Kurfürst lud die Flüchtenden nach Brandenburg-Preußen ein und 20.000 kamen. Das ist der Beginn der Preußischen Toleranzpolitik, die über hundert Jahre gelten sollte und der Anfang einer wirtschaftlichen Blüte, die Preußens Aufstieg beflügelte.

Auch über das Ende Preußens herrscht nicht wirklich Einigkeit. War es das Jahr 1871?  Oder die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. 1918 ? Oder aber der Alliiertenkontrollratsbeschluss 1947, der Preußen für aufgelöst erklärte?

Die Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, der nach der siegreichen Schlacht in Fehrbellin der " Große Kurfürst " genannt wurde, ist die Geschichte eines Mannes mit außergewöhnlicher gestalterischer Kraft. Es ist die Geschichte fast ununterbrochener Kriege, Feldzüge, gewonnener und verlorener Schlachten und ständiger Bündniswechsel, mal mit Frankreich und Holland, mal mit dem Kaiser im Westen oder mit Schweden oder Polen.

Sebastian Haffner nennt Friedrich Wilhelm in seinem berühmten Buch „Preußen ohne Legende"  einen Visionär, der seine Handlungen der „Staatsraison" unterwarf, ohne einen „richtig existierenden Staat", der Großmachtpolitik trieb, ohne eine „wirkliche Macht" zu haben.

Im Dreißigjährigen Krieg, als Friedrich Wilhelm geboren wurde, war Brandenburg so gründlich verheert, dass man an einen Wiederaufbau nicht mehr denken konnte.

Der Begriff - verheeren - entstand in dieser Zeit, als Söldnerheere plündernd übers Land zogen, weil sie anstatt Sold von ihren Herren zu bekommen, angehalten waren, sich zu nehmen, was sie fanden.

Und obwohl Brandenburg zerstört am Boden lag, machte es der Westfälische Frieden doch zum Kriegsgewinnler. Sowohl im Osten, wie auch im Westen gewann es wichtige Herrschaftsgebiete hinzu. Durch die Schwächung der Kaisermacht wuchs Brandenburgs Bedeutung als eines der 7 Kurfürstentümer.

Geboren in dieser unsicheren Zeit, verbrachte Friedrich Wilhelm seine Kindheit getrennt von seinen Eltern an verschiedenen Orten, wo er vor den plündernden und mordenden Horden umherziehender Söldner in Sicherheit war.

14jährig wurde er in die sichereren  Niederlande geschickt, wo damals das "Goldene Zeitalter" herrschte .Er studierte an der Universität in Leyden und  lernte das hochentwickelte Staatswesen dieser blühenden Handelsmacht kennen.

Als er 1638 von seinem Vater nach Berlin zurückberufen wurde, fand er ein zerstörtes, zerstückeltes und von den Schweden besetztes Land vor. Entvölkert, verarmt und geprägt von marodierenden Söldnerheeren, die plündernd und brandschatzend durch die Dörfer zogen.

Die Heirat mit Luise Henriette von Oranien, Tochter des holländischen Statthalters, brachte neben einer großen Mitgift auch viele holländische Künstler, Handwerker, Baumeister und Architekten, Kaufleute und Landwirte nach Brandenburg, die für einen schnellen Aufschwung sorgten.

Friedrich Wilhelm, der während seines Aufenthaltes in den Niederlanden Malerei, Architektur und Kunst in höchster Qualität kennen und lieben gelernt hatte, schuf nun mit seiner holländischen Frau in der kulturellen Wüste Brandenburgs und in dem Provinznest  Berlin  das erste Berliner Schloß, den Lustgarten, die Prachtstraße „Unter den Linden" und das Schloß Oranienburg.

Für die Hofkapelle holte er exzellente Musiker nach Berlin und sorgte auch dafür, dass sein Sohn Friedrich eine gründliche musikalische Ausbildung erhielt.

Friedrich Wilhelm  wusste, dass politische Macht sich auch in repräsentativer Kunst und Musik widerspiegeln musste.

Mit seiner Entwicklung des Staats- und Militärwesens, seiner Toleranz gegenüber Andersgläubigen und seiner Förderung von Kunst und Musik legte Friedrich Wilhelm den Grundstein für die preußische Geschichte der folgenden fast 200 Jahre.

Der Große Kurfürst, der die Vision eines zukünftigen Staates Preußen klar vor Augen hatte, trug keine Krone, sondern "ein gutes halbes Dutzend Kur-Hüte" wie Sebastian Haffner schreibt. Er nannte sich Markgraf von Brandenburg, Erzkämmerer und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, Herzog in Preußen, Pommern und Kleve, Fürst von Minden und Halberstadt.
Die Krone setzte sich erst sein Sohn und Erbe Kurfürst Friedrich III., der Ehemann von Sophie Charlotte aufs Haupt.

 

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