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Was ist ein Garten ohne Rosen?

„Je schöner ein Garten ist, desto mehr Plätze für Rosen ergeben sich von selbst.“
Karl Foerster

Ich weiß wirklich nicht mehr, wie viele Rosen ich habe! Es müssen sehr viele sein, denn vor ein paar Jahren habe ich einmal versucht, Beet für Beet zu schätzen und kam auf fünftausend Stück. Bei einem sieben Hektar großen Garten ist das gar nicht viel. Es verliert sich. Ein paar Rosen verabschieden sich mehr oder weniger unbemerkt, manche holt die Wühlmaus – ein bisschen Schwund ist immer. Deshalb pflanze ich in jedem Herbst neue Rosen.

Und Karl Foerster hat Recht – es ergeben sich immer neue Plätze, an denen unbedingt Rosen stehen müssen. Das ist eine merkwürdige Sache und ich glaube, es hängt damit zusammen, dass die Rose eine Sonderstellung unter den Gartenblumen einnimmt. Sie ist ja auch keine Blume, sondern eben eine Rose. Hat man je gehört, dass bei einem Rosenstrauß von einem Blumenstrauß gesprochen wurde? Nein – und das ist genau der Punkt. Die Rose ist das A und O des Gartens im wirklichen Sinne. Sie ist der Anfang und das Ende, Basispflanze und i-Tüpfelchen zugleich. Ohne die Rose ist ein Garten kein Garten.

Das Wissen um die Bedeutung der Rose ist im menschlichen Unterbewusstsein abgespeichert, denn es ist uralt. Seitdem es Gärten gibt, gibt es auch Rosen, und auch im Paradies werden schon Rosen gewesen sein. Über die symbolische Bedeutung der Rose zu sprechen, führt hier zu weit. Es ist genug, zu wissen, dass die Rose zu unserem archaischen Denken gehört, und ein kleiner Auszug aus dem Werk Dschelaladdin Rumis aus dem frühen 13. Jahrhundert soll hier reichen.

Der Himmel kann der Rose Bild nicht fassen,
besiegt erliegt die Phantasie der Rose.
Die Rose grüßt die Seele von der Heimat,
die Seele drum vergesse nie der Rose….

 

Rosenspirale

Auf der Rosenspirale am südlichen Ende des Ausstellungsgeländes stehen nur duftende Rosen des Züchters Kordes. Gemischt mit Stauden, Kräutern, Gräsern und Sommerblumen. Im letzten Winter sind einige von Wühlmäusen gefressen worden. Dort pflanze ich jetzt nach. Da man Rosen nie an die gleiche Stelle setzen darf, weil sie dann nicht gedeihen, müssen ein paar Stauden und Kräuter „auf Wanderschaft“ gehen. Sie kommen an die Stelle, wo die Rose vorher gestanden hat und die neue Rose setze ich an die Stelle der Stauden.

David Austin Rose

Im Garten, der 2001 mit 400 Rosen des Züchters David Austin bepflanzt wurde, muss ich auch dringend aufräumen. Dort werde ich aber erst im März die wurzelnackten Rosen setzen, aus Sorge, die etwas frostempfindlicheren Sorten könnten, wenn sie so frisch gesetzt sind, in einem harten Winter leiden.
Winter kann kommen und ich träume von meinen Rosen und denke mir neue Plätze für neue Rosen aus - für den nächsten November. Denn „Je schöner ein Garten ist, desto mehr schöne Plätze für Rosen ergeben sich von selbst!“

Jaqueline du Pré

Im sogenannten „Grauen Garten“, der so heißt, weil er von einer Sanddornhecke eingefasst wird und in dem graue Stauden und Gräser wie Strandhafer (Leymus), Currykraut und Artischocken wachsen, stehen ausschließlich Rosen des englischen Züchters Robert Harkness. Außer der weißen Rose Jacqueline du Pré stehen dort nur Rosen in kräftigen Orange- und Rottönen. Dazu kommen über Tausend Montbretien der Sorte „Lucifer“ und im Sommer die mexikanische Sonnenblume Tithonia.

Prairie de Roses

In dem Garten „Prairie de Roses“, einer Art „Prairiegarten mit Strauchrosen“ muß ich auch alljährlich aufräumen und hier und da nachpflanzen. Dort stehen nur ungefüllte Strauchrosen des Züchters Meilland/Strobel. Diese Rosen sind zwar sehr robust und wüchsig, aber gegen die eher wilden, wuchernden Gräser und Stauden muss man sie dennoch „etwas in Schutz nehmen“.

Im November pflanze ich hier noch einmal über dreißig Rosen nach. Ich habe den Garten in diesem Herbst „runderneuert“, einmal alles herausgenommen, ihn in vier gleiche Flächen eingeteilt, mit frischer Erde aufgefüllt und mit Steinen eingefasst.

Schneewittchen & Warm Welcome

Im „Zaubergarten“ pflanze ich 21 Kletterrosen „Warm Welcome“, die ein feuriges Orange haben und in die Beete, die Jacqueline van der Kloet zur Landesgartenschau 2010 an der Nordseite von Schloß Ippenburg anlegte, setze ich 100 weiße Strauchrosen „Schneewittchen“.


Wir müssen eben Rosen pflanzen, das ist „unsere heilige Pflicht“ – und deshalb übrigens freue ich mich den ganzen Sommer lang auf den November! Da kann ich wurzelnackte Rosen pflanzen, die ja um so vieles günstiger sind als die fertig getopften, blühenden Containerrosen. Und ich bin sicher, mir fallen noch viele neue Stellen ein, an denen ich Rosen pflanzen sollte, denn:

Je schöner ein Garten ist, desto mehr Plätze für Rosen ergeben sich von selbst.“
Karl Foerster

Schloß Ippenburg, Herbst 2011