Neuigkeiten aus meinem Küchengarten.

Von guten und von schlechten Nachbarn 

 „Es kann die schönste Pflanze nicht gedeihen, wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt“ (Marie-Luise Kreuter, frei nach Schiller)

Kapitel 22. - Auszug aus meinem Buch
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Das Grundprinzip ist einfach: Gute Nachbarn. Schlechte Nachbarn. Nicht anders als bei uns Menschen. Es gibt Pflanzen, die sich stören und sogar schaden, und es gibt welche, die sich gegenseitig stärken und unterstützen. Und es gibt „neutrale“ Nachbarn, die weder schaden, noch nutzen.

Die Mischkultur mit der klassischen Fruchtfolge der Dreifelderwirtschaft zu kombinieren ist kaum möglich.

Die klassische Fruchtfolge unterscheidet sogenannte "Starkzehrer", "Mittelzehrer" und "Schwachzehrer". Der Garten wird entsprechend des Düngerbedarfs in drei Bereiche eingeteilt. Im jährlichen Wechsel wird ein Beet immer kräftig düngt, meistens mit Stallmist, ein zweites mit Humus und organischem Dünger, und das letzte erhält nur Humus.

Zu den „Vielfraßen“ gehören alle Kohlarten, Gurken, Kartoffeln, Lauch, Sellerie Zucchini und Kürbis. Die etwas Genügsameren sind Zwiebeln, Knoblauch, Möhren, Rote Beete, Fenchel, Salate, Spinat, Schwarzwurzeln, Radieschen, Kohlrabi, Paprika und Melonen. Die „Hungerkünstler“ sind Bohnen, Erbsen und die meisten Kräuter. Hier habe ich eine Liste der guten und schlechten Nachbarn erstellt zum Download

In der Mischkultur kommt es vor, dass ein „Vielfraß“ neben einem „Hungerkünstler“ steht, deshalb muss der Düngerbedarf jeder einzelnen Pflanze gesondert betrachtet werden. Das ist der Grund, warum die Kombination aus beiden Methoden nicht möglich ist.

Die Mischkultur ist sehr viel komplizierter als die Dreifelderwirtschaft, aber das Ergebnis ist um vieles schöner. Als ich Anfang des Jahres 2011 beschloß, meinen über 3000m² großen Küchengarten nach der Methode der Mischkultur anzulegen, wäre ich schon fast in der Planungsphase gescheitert. Viele Tage und Stunden saß ich grübelnd zwischen Bergen von Samentüten und Stapeln von Gartenbüchern, plante immer wieder neu, verglich und verwarf, was ich zusammengestellt hatte, bis mir, als ´Rettung in letzter Minute` die Idee der „Beete im Karton“ einfiel.

Mit dieser Methode habe ich nun einen Weg gefunden, der mir die Möglichkeit gibt, meine ästhetischen Vorstellungen mit den Ansprüchen der Pflanzen in Einklang zu bringen und die Aussaat so vorzubereiten, dass ich nicht mit Buch und Brille zwischen den Beeten hocke und verzweifle.

Es ist ganz einfach. Ich teile den Garten in verschiedene Beete ein, nummeriere sie und benenne sie nach den „Leitpflanzen“. Das Kartoffelbeet, das Gurkenbeet, das Erbsenbeet, das Erdbeerbeet, das Zucchinibeet etc. Diese Einteilung ermöglicht den für die Gesundheit der Pflanzen notwendigen Wechsel der Beete im Drei- oder Mehrjahresrhythmus. Im ersten Jahr ist zum Beispiel das „Kartoffelbeet“ das Beet Nummer eins, im zweiten Jahr Beet Nummer zwei, drei oder vier. Es ist wichtig, in jedem Jahr die Nummern und „Leitpflanzen“ in einem Ordner genau festzuhalten, denn im Februar, wenn man mit der neuen Planung beginnt, hat man längst vergessen, wo welche Pflanze gestanden hat.

Im Februar sortiere ich das Saatgut und beschrifte die mit Nummern versehenen Kartons mit den Namen der Leitpflanzen der „Beete“. Ich erstelle Listen, in denen ich den „Leitpflanzen“ alle „Guten Nachbarn“ zuordne. Diese Liste, in der ich auch die jeweiligen „schlechten Nachbarn“ hinzusetze, um immer den Überblick zu haben, schreibe ich einmal und hebe sie für die Folgejahre auf. Ich achte bei der Zuordnung darauf, dass die „guten Nachbarn“, die ich den „Leitpflanzen“ zugeordnet habe, sich auch untereinander „verstehen“, dass zum Beispiel Dill und Fenchel, die beide gute Nachbarn von Erbse und Gurke sind, nicht zusammenstehen, weil sie sich nicht „grün“ sind. Ähnlich verhält es sich mit Mais und Rote Beete im Gurken- oder Zucchinibeet. Um sicher zu gehen, entscheide ich mich für eine der beiden Sorten. Anschließend sortiere ich das Saatgut in den entsprechenden Karton. Wenn „das ganze Gemüse“ verstaut ist, verteile ich noch das Blumensaatgut auf die Kartons und beschrifte, frei nach Lust und Bedarf weitere Kartons, z.B. für „Schnittblumen“, „Kletterpflanzen“, „Asiasalate – und Kräuter“, „Italienische Kräuter“.

Als nächstes beschrifte ich die Pflanzetiketten, befestige die entsprechenden Samentüten mit Gummibändern an ihren Steckern und lege sie zurück in den Karton. Auf den Samentüten notiere ich groß und deutlich den Reihenabstand, die Aussaattiefe und den Abstand zwischen den einzelnen Körnern, um später im Garten alles schnell auf einen Blick zu haben.

Im März beginne ich mit der Aussaat. Erbsen, die ich mit Vlies abdecke und Dicke Bohnen können schon früh raus. Ich verteile die Pflanzetiketten mitsamt den Tüten an den jeweiligen Reihenanfang und säe eine Reihe nach der anderen aus. Ich verteile immer nur soviel, wie ich am Tag schaffe, damit die Samentüten nicht nass werden, falls es in der Nacht regnet. Samen, der erst im April und Mai ausgesät wird, bleibt im Karton. Die Pflanzschilder verteile ich jedoch gleich alle Im März, um die Reihen einzuteilen und alle „Plätze zu sichern“.

Der exakte Flächenbedarf der einzelnen Pflanzen muss bei dieser Aufteilung unbedingt berücksichtigt werden, damit es später zwischen den Reihen nicht zu eng wird. Alle Beet- und Wegränder fasse ich mit nicht rankender Kapuzinerkresse ein, hier und da unterbrochen von der dunkel purpurfarbenen Süßkartoffel. Kapuzinerkresse ist ein „Alleskönner“. Ihre Farbpalette ist phantastisch, von cremegelb bis tiefrot. Sie schmückt sowohl den Garten als auch den Teller, hat einen würzigen, kresseähnlichen Geschmack und hält außerdem Schnecken und Läuse fern.

Diese „Beet im Karton-Methode“ ist einfach, praktisch und noch dazu äußerst kreativ.

Im Sommer, wenn alles üppig blüht und grünt könnte man fast vergessen, dass dieser sinnlichen Fülle und Schönheit ein so strenger und wohldurchdachter Plan zugrunde liegt und es ist das, was Karl Foerster eine „Gartenpoesie“ nennt, die da „heranwächst“ die , „gar nicht vorgeahnt werden“ konnte.

Denn „die Gestaltung solchen Nutzgartens geschieht aus Überlegungen der Ordnung, Vernunft und des praktischen Bedürfnisses“, das Ergebnis aber ist Schönheit, Fülle und Sinnlichkeit. “ 

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