Die Waldinsel

Ernst August Philip von dem Bussche, Sohn von Generalmajor Johann von dem Bussche und Marie von Meysenbug-Züschen, der ersten Mätresse von Georg Ludwig von Hannover, späterer Georg I von England, verbrachte die Zeit 1698 bis 1700 in St. Cloud nahe Paris, am Hof von „Monsieur“, Herzog von Orléans, Bruder von Ludwig XIV und dessen Frau, der berühmten Liselotte von der Pfalz.

Als gerade einmal 18jähriger, in einer Zeit, als das Rokoko mit all seinen Vergnügungen und Ausschweifungen sich auf dem Höhepunkt des Rokoko befand, gelangte er an einen Hof, der für sein galantes Leben, die Feste, die Freizügigkeit und die Dekadence einmalig in Europa war.

links: Ernst August Philip im Gewand des Höflings am Hof von St. Cloud

rechts: Les gentilshommes du Duc d'Orléans dans l'habit de Saint-Cloud,
nach einem Bild von Louis Carrogis dit Carmontelle - PARIS 1717-1806
auf der Rückseite stehen die Namen einiger Höflinge von „Monsieur“, Duc d'Òrleans, Bruder von Luwig XIV - Ils étoient tous Gentilshommes de / Monseigneur le Duc d’Orléans grand qui par son esprit et son / amabilité étoit de la société intime / du Prince / Ils sont représentés sous l’habit que / le Prince avoit adopté dans ses campagnes.



Die berühmten „Fêtes Galantes“, in den dafür geschaffenen ´bosquettes`, kleinen, vom Wasser getrennten Waldstücken, sind legendär und haben in den Gemälden von Antoine Watteau überdauert.

Liselotte von der Pfalz schrieb an ihre Tante Sophie, Mutter von Georg Ludwig  und enge Vertraute und von Albrecht Philip von dem Bussche, Ernst August Philips Onkel, Hannoverscher Minister, Geheimer Rat und Erzieher von Georg Ludwig: „Vorgestern  ist mons.Bousch zu mir gekommen; Eure Liebden haben groß recht, diesen Jüngling schön zu finden, hier hat man ihn gar schön gefunden; ich habe mannes – und weibspersionen gesehen, so ihn betracht, dass sie schier das Essen ahn Taffel vergessen; es hat mich recht lachen machen....“ (12. Juni 1698, Versailles) 

Die zwei Jahre am Hof von St. Cloud und Versailles haben „mons.Bousch“ geprägt,  und seine Liebe zum ´galanten Leben` bescherte auch Ippenburg und seiner Festung in den Sümpfen der Norddeutschn Tiefebene eine kurze, ´galante Episode`.

Seine Ehe mit der Tochter von Georg Ludwig und dessen zweiter Mätresse Melusine von der Schulenburg, Anna-Louise von der Schulenburg, war aufgrund der Tatsache, das er der Sohn der ersten Mätresse war, ein kleiner Skandal, hielt aber dennoch mehr als zehn Jahre.    

1721 erbte er Ippenburg von seinem Onkel Clamor von dem Bussche, Minister und Geheimer Rat beim Großen Kurfürsten und beim ersten König in Preußen und der Königin Sophie Charlotte, Schwester von Georg Ludwig von Hannover.

Er baute nördlich der alten Burg ein barockes Herrenhaus, schmückte es mit den barocken Figuren, die sein Onkel aus Wien mitgebracht hatte, legte zierliche Gärten und ein barockes Boskett an, von Wasser umgeben im Stil der „île enchanté“, der verzauberten Insel, ganz wie er es in Versailles und in St. Cloud gesehen hatte.

Die Figuren der vier Tugenden schmücken noch heute die sogenannte Figurenbrücke am Nordeinganng, aber Herrenhaus und Gärten sind längst Vergangenheit.

In einem Plan von 1807 ist das „Neue Boskett“ , die heutige Waldinsel, noch in seiner ursprünglichen Form eingezeichnet und entspricht dem, was ein Boskett zur Zeit des Sonnenkönigs war: der Hecken- und Niederwaldbereich des Barockgartens, mit zumeist geradlinigen Außenseiten, dichten, in geometrisch exakte Formen geschnittenen Hecken oder niedrigen Bäumen. Die derart gegliederten Bereiche beinhalten kleine Salons im Freien, und sind unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten zugedacht, wie Heckentheater, Irrgärten oder offene "Konzertsäle". Sie können auch den Rahmen für Pavillons oder kleine Lustschlösser bieten.

Was genau von diesem „Katalog der Möglichkeiten“ von Ernst August Philip verwirklicht wurde, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Der Zauber der Insellage dieser „île enchanté“ ist aber heute noch spürbar.

Nach seiner Trennung von Anna-Louise von der Schulenburg, heiratete er erneut und zog schon wenige Jahre später nach Ebstorf bei Celle, wo er von da an lebte und auch begraben liegt.

Das barocke Schloss wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zugunsten des neugotischen Schlosses der heutigen Zeit abgerissen, die Gärten wurden im englischen Landschaftsstil überformt und die sogenannte „Lange Brücke“ wurde als fester Zugang zur Insel geschaffen.

Das ´Boskett` verwilderte vollständig und war zum Zeitpunkt seiner Renovierung im Jahr 2001 zu einem undurchdringlichen „Urwald“ herangewachsen.

Gemeinsam mit dem Amt für Denkmalpflege, der Universität Hannovber und er Landschaftsarchitektin Cornelia Müller (Lützow 7/Berlin) wurden im Jahr 2000/2001 Renovierungsarbeiten durchgeführt, die sowohl dem Plan von 1807, dem barocken Boskett, als auch dem ´genius loci` gerecht wurde, der durch den Zauber der Vergänglichkeit geprägt war.

Im Jahr 2003 war der Inselgarten Ort des Kunstprojektes „ATLANTIS“, das der Künstler Ugo Dossi aus München, der schon die Fontäne TARAX, die „Riesenpusteblume“ erschuf, realisierte. Teile dieses Werkes haben bis heute überdauert, wie z.B. die Stele „Born Free“ auf der großen Wiesenlichtung und die Eisenfähre, mit der die Besucher die „verzauberte Insel“ erreichen – oder aber, wie der Künstler mit dem Namen „Charon`s Tool“ suggeriert, den Styx überqueren auf dem Weg in die Unterwelt, geleitet von dem Fährmann Charon.

Weitere künstlerische Inszenierungen folgten – zuletzt, 2017 , „Alice wundert sich“, eine humorvolle Interpretation der „Wundersamen Welt der Alice“.

>>> zur diesjährigen Ausstellung "Spiegelungen & Reflexionen"

 

 

 

Projekte 2018

Ein Geheimer Garten

- Ein Wilder Ort! Das Kunst- und Wildnis-Projekt 2018 - staunen, wundern und sich freuen!

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Spiegelungen

Kunstinstallation, die verzaubert - auf der Ippenburger Waldinsel! 

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Auf den Spuren von

Sophie Charlotte - Porträtausstellung im Obergeschoss des Schlosses ...! 

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