Das Bauwerk

Von der Trutzburg zur Neugotik

Ritter Johann von dem Bussche wählte Ende des 14. Jahrhunderts die Sümpfe der Hunteniederung aus, um hier eine Trutzburg für weitere Landnahmen zu errichten. Trotz des Verbots des Bischofs von Osnabrück, eine Festung aus Stein zu errichten, wurde Ippenburg mit seinem steinernen Unterbau, umgeben von Schießscharten und einem tiefen Schlossgraben - nur über eine Zugbrücke zu erreichen - zu einer uneinnehmbaren Festung. In einiger Entfernung umschloss ein weiterer Graben die Vorburg. Dazwischen lag bis ins 18. Jahrhundert ein hoher, befestigter Wall.

Wo einst die Trutzburg stand, genießen heute die Festivalbesucher das besondere englische Flair im Park und den Charme der Gärten mit ihren Rosen und Stauden.

Die Burganlage war fast quadratisch mit einem schmalen Innenhof. Im Erdgeschoss befanden sich Kapelle, Küche, Ritter- und Knappenwohnung sowie die Rüstkammer. Im zweiten Stockwerk waren der Ritter- und der Büchersaal, die Junkerstube und eine Gastwohnung. 1811 wurde die erste Ippenburg wegen Baufälligkeit aufgegeben.

Figurenbrücke, Herrenhaus und Schlossbau

Auf Albrecht Philip von dem Bussche geht die prägnante Figurenbrücke mit ihren Steinskulpturen zurück, die noch heute das Eingangsportal schmückt. Er war Ende des 17. Jahrhunderts Gesandter in Wien und brachte die Figuren von dort mit nach Ippenburg. Sie stellen vier Tugenden dar: Misericordia (Barmherzigkeit), Prudentia (Einsicht und Klugheit), Constantia (Beständigkeit) und Justitia (Gerechtigkeit).

Nördlich der Burg an der Stelle des heutigen Schlosses ließ Clamor von dem Bussche ein Herrenhaus im Stil des ländlichen Barock erbauen. Es bestand aus einer zweiflügeligen Anlage, deren Mittelteil ein Barockgiebel zierte, der jedoch 1756 durch Blitzschlag zerstört wurde. Nach verschiedenen Renovierungen wurde schließlich auch das Herrenhaus 1862 abgerissen, da es schwer vom Steinschwamm befallen war. Auf den Fundamenten ließ Graf Wilhelm von dem Bussche in den folgenden fünf Jahren das heutige Schloss im Stile der Neugotik errichten. Es wurde ausschließlich von Handwerkern der Region gebaut und besteht aus Ibbenbürener Sandstein. Sowohl aufgrund seiner beeindruckenden Größe als auch wegen seines Baustils ist es in der Region einzigartig. Der neugotische Stil wurde bis ins kleinste Detail umgesetzt, was besonders an den Holzarbeiten im Treppenhaus und an der Holzdecke im Gobelinsaal deutlich wird. Typisch für das Ende des 19. Jahrhunderts und die Neugotik ist die Verwendung sakraler Elemente im profanen Bereich - etwa in der Eingangshalle.

Dynamik statt Konservierung

Das Schloss befindet sich nach wie vor im Privatbesitz der Familie von dem Bussche. In den 1930er Jahren gaben Graf Hermann und Gräfin Vera von dem Bussche den Einbau einer Zentralheizung und zahlreicher Bäder in Auftrag. In den 1960er Jahren fielen weitere Renovierungen an: Kanonenöfen, deren Rohre einfach durch Decken und Mauern gezogen worden waren, hatten die Räume stark in Mitleidenschaft gezogen. Dies galt auch für den Saal und den Salon. Denn in jedem Zimmer wurde gelebt, gekocht und geschlafen. Außerdem musste das Dach neu gedeckt werden.

Der Erhalt des Ensembles aus Schloss und Gärten ist für uns eine wirtschaftliche und kreative Herausforderung - nach der Devise: Ein Denkmal muss leben, sonst ist es nicht mehr als ein Haufen Steine.

In den 1980er Jahren wurden die Türme verkupfert und die Wetterfahnen neu vergoldet, in den 1990er Jahren die Eingangshalle restauriert, Fenster erneuert und gestrichen - bei mehr als 100 Fenstern ein gewaltiges Vorhaben. In jüngster Zeit wurde die Grundrenovierung der Schlossuhr notwendig. Brücken und Tore mussten erneuert und instandgesetzt werden. Die Remise wurde neu verputzt und gestrichen. Hinzu kommen Pflege und Erhalt von Park, Garten, Familiengrabstätte und Hofgebäuden. "Tradition ist nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers", lautet das Motto der Familie. Es gibt keinen Stillstand, sondern eine stetige und lebendige Weiterentwicklung.