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  Freifrau Viktorias Gartenlust
     
 

„Das Leben beginnt
mit dem Tag,
an dem man einen Garten anlegt.“

Chinesisches Sprichwort

Auf dem Ippenburger Schloss lebt Viktoria Freifrau von dem Bussche seit 1976. Zunächst bezog sie mit Ihrem Mann Philip ein Kötterhaus auf der Wiese, später siedelte die junge Familie dann in das Schloss um. Von Anfang an kam ihr das riesige Schloss mit seinen grauen Mauern wie ein steinerner Koloss vor, den sie mit einem Blütenmeer umgeben und freundlicher und einladendend wirken lassen wollte.

Sie erinnert sich: „Richtig losgelegt habe ich erst 1990. Meine vier Kinder sind alle zwischen 1977 und 1982 geboren, da gab es wenig Raum für Gartenarbeit. Aber schon in meinem ersten Frühjahr auf dem Schloss hatte ich Unmengen von Blumen gesetzt. Die Hälfte ging ein. 1989 habe ich dann angefangen, Stauden auszusäen. Erst mal nur, um Fülle zu haben. Jede Menge Lupinen, Mohn, Rittersporn, Katzenminze, alles, was nicht so schwierig ist. Die kann man bei solchen großen Flächen nicht kaufen, das wäre unbezahlbar. Nach der Restaurierung eines der Gewächshäuser ich mit der Anzucht eigener Stauden begonnen. In jedem Herbst hatte ich so mindestens 1000 neue Pflanzen. Schubkarrenweise haben wir sie dann in die neuen Beete gepflanzt. In jedem Jahr habe ich mindestens ein oder zwei neue Beete angelegt.“

Die gärtnerischen Autodidaktin hat eine zusätzliche Leidenschaft: sie sammelt Gartenbücher. Die hat sie gewälzt und Ideen gesammelt, sich inspirieren lassen und – ausgesät: „ Die Leute haben schon gelästert, ich hätte einen „Horror vacui“, Angst vor der Leere. Das Aussäen ist so eine Ameisenarbeit, mit diesen winzigen Samen. Den Samen bestelle ich im Fachhandel. Was mir wahnsinnig Spaß macht, ist zu sehen, dass es geklappt hat, die Samen angegangen sind und eine kleine Pflanze heranwächst. Im März, April säe ich also aus, wenn es im Gewächshaus warm ist. Ungefähr im Mai oder Juni kommen die Sämlinge dann in meine nursery, in den Anzuchtgarten. Dort steht auch mein Salat, es ist mein liebster Platz, er liegt zwischen Mauern, da ist es herrlich mild.“

 
   

Viktoria Freifrau war natürlich auch in England, dem Mekka der Gartenkunst. Sie besuchte Sissinghurst, Hidcote und war in vielen anderen der bekannten englischen Gärten, auch in privaten. Und sie weiß: „Das Schöne am Gärtnern ist: Man ist wirklich vollkommen allein zwischen Erde und Himmel. Wenn man im Garten arbeitet, ist da nichts, was stört. Man ist körperlich gefordert und direkt mit der Natur verbunden. Und neben der Pflege der Pflanzen ist das Gestalten eines Gartens ja auch eine sehr kreative Tätigkeit. Gärten sind gut für Körper, Seele und Geist, davon bin ich überzeugt.“

1998 veranstaltete die Freifrau das erste Ippenburger Schloss- und Gartenfestival. Mehr als 10.000 Besucher holten das Schloss aus seinem Dornröschenschlaf. „Im Jahre 1996 war ich mit einer Freundin auf dem Glyndebourne-Musikfestival in England. Die Mischung aus englisch-lässig, international und fantastisch organisiert begeisterte mich – ich dachte damals, etwas ähnliches mit diesem typisch englischen Charme könnte Ippenburg gut tun. Nun gab es Musikfestivals in Deutschland schon in größerer Zahl – ein Gartenfestival jedoch noch nicht. Das wollte ich machen!“

In Fachkreisen zeichnete sich die Welle neuer Gartenlust bereits Mitte der 1990er Jahre ab. Aber etwa zeitgleich mit diesem ersten privaten Schloss- und Gartenfestival begann in ganz Deutschland das Gartenkunstthema vermehrt auf Interesse zu stoßen. 1999 gibt es in Deutschland dann schon vier Gartenmessen in privatem Ambiente, im Jahr 2002 geht die Zahl ähnlicher Veranstaltungen in die Dutzende.

Schloss Ippenburg hat sich mit Gartenlust & Landvergnügen, der jährlichen Dauerausstellung der Ippenburger Gärten und dem Herbstfest in der Zwischenzeit zu einer „ersten Adresse“ der Gartenlust entwickelt und lockt jährlich insgesamt rund 60.000 Gartenliebhaber und „Pflanzenfreaks“ aus dem In- und Ausland an. Aber auch jene, die einfach nach schönen und ausgefallenen Accessoires suchen oder einen ebenso entspannten wie sinnlich anregenden Tag verbringen wollen, kommen auf ihre Kosten. In jedem Jahr entstehen mehr als ein Dutzend Schaugärten neu, die während der Gartenmesse und an ausgewählten Wochenenden Gartenfreunde aus ganz Europa nach Ippenburg ziehen. International renommierte Gartenarchitekten und führende Pflanzenzüchter aus ganz Europa beteiligen sich an diesen einmaligen Garten-Kreationen.
Freifrau Viktorias Gartenlust hat Kreise gezogen.